26. März 2026

Allergie beim Hund – erkennen, verstehen und richtig handeln

Dein Hund kratzt sich mehr als sonst, leckt ständig an seinen Pfoten oder kämpft immer wieder mit Entzündungen? Das kann ganz schön belastend sein – für dich und deine Fell-nase. Eine mögliche Ursache: eine Allergie.
In diesem Beitrag helfe ich dir, die Anzeichen besser einzuordnen und Klarheit zum Thema gewinnen.

Was ist eine Allergie überhaupt?

Bei einer Allergie handelt es sich um eine Überreaktion des Immunsystems auf bestimmte Stoffe. Der Körper erkennt harmlose Bestandteile von Futter oder Umweltkomponenten fälschlicherweise als „Feind“ und reagiert darauf mit unterschiedlichen Symptomen.

Typische Symptome einer Allergie

Häufige Symptome können z.B. sein:

  • starker Juckreiz
  • Pfotenlecken
  • Haut- und Fellprobleme
  • Kopfschütteln
  • chronische Ohrenentzündungen

Seltene Symptome:

  • Augen- und Nasenausfluss
  • Erbrechen

Sehr seltene Symptome:

  • Anaphylaxie, der sogenannte allergische Schock
    • Dieser kann innerhalb von Minuten nach Kontakt mit dem Allergen ausgelöst werden und ist ein klarer Notfall!
    • Typische Symptome sind Atemnot, blasse Schleimhäute, Erbrechen, Schwellungen und Apathie.
    • Sofort zum Tierarzt!

      Bitte beachte: Jeder Allergiker hat unterschiedliche und individuelle Symptome, Verläufe und es bedarf einer individuellen, auf die Stärke der Symptome abgestimmte Therapie.

      Allergiearten

      Allergie gegen Parasiten

      Diese Art der Allergie zeigt sich oft durch akuten Juckreiz in der hinteren Körperhälfte, selten durch Ohren- oder Pfotenentzündungen. Durch den Klimawandel leiden Allergiker dieser Art mittlerweile ganzjährig und nicht mehr nur saisonal. 

      Entscheidend ist hier eine ganzjährige Prophylaxe.

      Umweltallergie/Atopie

      Häufige Auslöser sind Pollen von Gräsern, Bäumen, Kräutern, oder Gras- oder Haus-staubmilben, Schimmelpilze, usw.. Die ersten Symptome in Form von z.B. Juckreiz oder Ohren- & Pfotenentzündungen treten häufig bereits im Alter zwischen 1 und 3 Jahren auf.

      Vielleicht bist du schon über Speichel-, Blut- oder Felltests gestolpert, die versprechen, Allergien beim Hund einfach aufzudecken. Doch nicht alles, was simpel klingt, ist auch wirklich aussagekräftig.
      Hier findest du einen sehr guten Blogbeitrag, der das Thema genauer beleuchtet:https://www.vet-dogs.de/warum-ein-allergietest-oftmals-keinen-sinn-macht/#Wann_ist_ein_Allergietest_sinnvoll

      „Der unglückliche Atopiker“

      Ein Hund der an einer Umweltallergie, also einer Atopie leidet, kann seine Umwelt nicht meiden. Ein Atopiker ist ein Leben lang auf Medikamente angewiesen, die aber nicht die Ursache bekämpfen können, sondern „nur“ die Symptome lindern.

      Das einzige was bei einem Atopiker helfen kann, (ich betone kann!) ist eine Desensibili-sierung. Hierbei wird das Immunsystem mithilfe des allergieauslösenden Stoffes langsam immer wieder an den Reiz „gewöhnt“. Die Dauer der Behandlung sollte mindestens ein Jahr laufen, dennoch gibt es keine sichere Garantie, dass der Hund danach frei von jeglichen Symptomen ist. 

      Meine französische Bulldogge Trudi war rassebedingt eine Atopikerin und reagierte allergisch auf Hausstaubmilben. Trotz regelmäßigem Waschen, Wischen und Putzen ließ sich die Belastung im Alltag leider nicht ausreichend reduzieren.
      Deshalb habe ich mich schließlich für eine medikamentöse Unterstützung in Kombination mit regelmäßigen Blutkontrollen entschieden.

      Futtermittelallergie

      Ich sags direkt vorab, bei einer Futtermittelallergie oder Unverträglichkeit gibt es nur einen richtigen Weg herauszufinden, wo genau das Problem liegt.

      Und zwar → Die Eliminationsdiät! 

      Symptome für eine Futtermittelallergie können unter anderem Juckreiz, häufige Ohren-entzündung und Pfotenlecken, manchmal auch perianaler Juckreiz (das „witzige“ Schlittenfahren) sein. Meist kommen die Symptome zusammen mit Magen- Darm- Beschwerden.

      Die Eliminationsdiät

      Die häufigsten Auslöser für eine Futtermittelallergie sind Proteine, die der Hund bereits kennt. Je nach Land kann sich das unterscheiden. In Deutschland wird am meisten Rind und Huhn gefüttert, in Australien z.B. hingegen Känguru.

      Wenn du glaubst, dass dein Hund gegen sein Futter allergisch ist, solltest du eine Eliminationsdiät in Betracht ziehen. Bei dieser besonderen Diät durchläuft dein Hund verschiedene Phasen, um herauszufinden, auf welche Futterkomponenten er reagiert. Hierfür wird sich jeweils auf eine Eiweiß- und eine Kohlenhydratquelle fokussiert und getestet. Je weniger Quellen der Hund kennt, desto besser und erfolgreicher kann diese Diät sein.

      Das klingt erstmal sehr kompliziert und aufwendig – aber mit der richtigen Herangehensweise und Begleitung ist das alles kein Hexenwerk und deinem Hund geht es bald schon viel besser.

      Für die Eliminationsdiät sind folgende Regeln unerlässlich:

      • vorab muss eine ausführliche Anamnese und Untersuchung des Hundes stattfinden.
      • Niemals ohne fachmännische Begleitung durchführen.
      • Durchführung nur bei ausgewachsenen, nicht trächtigen oder säugenden Hunden.
      • Es ist keine bedarfsdeckende Ernährung und darf nicht dauerhaft gefüttert werden.
      • Während der gesamten Zeit, darf der Hund nichts anderes zu sich nehmen – keine Leckerlies, keine Snacks oder etwas aus der Umwelt.
      • Nahrungsergänzungen müssen pausiert werden.
      • Bei Tabletten auf Aromen, Leberwurst oder ähnliche Hilfsmittel verzichten.
      • Die Erfolgschance hängt von dir als Tierhalter*in und der Sorgfältigkeit der Durchführung ab. Alle Menschen im Umfeld des Hundes müssen sich an den Plan halten (auch der Postbote und die Nachbarin von nebenan).
      • Ein Diättagebuch ist unverzichtbar

      Phasen der Eliminationsdiät

      Eliminationsphase (oder Grundlage schaffen)

      In dieser Phase wird die Grundlage für die Provokationsphase geschaffen, indem du deinem Hund eine Protein- und eine Kohlenhydratquelle fütterst die er verträgt. Um sicherzustellen, dass dein Hund symptomfrei ist, solltest du diese Kombination mindestens 2 bis 3 Wochen füttern. Erst wenn dein Hund komplett symptomfrei ist, bzw. eine deutliche Verbesserung stattgefunden hat kannst du zur nächsten Phase übergehen.

      Die Provokationsphase (oder erste Ergänzung der Grundlage)

      In dieser Phase wird die bisherige Futtergrundlage schrittweise um jeweils eine neue Komponente ergänzt – entweder eine Protein- oder eine Kohlenhydratquelle.
      Wichtig: nicht beides gleichzeitig.Diese Kombination fütterst du eine Woche. Während dieser Zeit sollte sich zeigen, ob dein Hund auf die neue Komponente reagiert oder nicht.Wenn keine Symptome auftreten → keine Allergie oder Unverträglichkeit. Diese Komponente kannst du zukünftig füttern.Wenn Symptome auftreten, sollte dein Hund diese Komponente nicht weiter fressen und du kehrst zur Eliminationsphase zurück und fütterst die Grundlage wieder solange, bis dein Hund symptomfrei ist. Erst danach kannst du wieder eine Provokationsphase starten.

      Die Suchphase

      Die Suchphase dauert solange, bis du ein gutes Repertoire an Komponenten zusammengestellt hast, die dein Hund verträgt.

      Eliminationsdiät mit Fertigfutter

      Auch das ist möglich. Bei der Wahl des Futters ist aber einiges zu beachten. Lass dich nicht von Begriffen wie „hypoallergen“ „Diätfutter“ oder „für Allergiker geeignet“ hinreißen. Diese Auslobungen sind nicht geschützt und es können Bestandteile im Futter enthalten sein, die nicht ausgelobt werden. Bei der Deklaration solltest du unbedingt auf „Monoprotein“ oder „Singleprotein“ achten. Das bedeutet, dass sich in diesem Futter nur eine Proteinquelle befindet. Zudem solltest du unbedingt die Liste der Inhaltsstoffe lesen und hinterfragen.

      Was du noch wissen solltest!

      Kreuzreaktionen – wenn der Körper durcheinander kommt

      Ein spannendes und oft unterschätztes Thema sind sogenannte Kreuzreaktionen. Dabei reagiert der Körper nicht nur auf einen bestimmten Auslöser, sondern auch auf ähnliche Stoffe. Ein Hund, der auf eine Proteinquelle reagiert, kann unter Umständen auch auf eine verwandte Quelle empfindlich reagieren.

      Das macht die Ursachenforschung manchmal etwas komplizierter – aber nicht unmöglich.

      Beispiel: Rind oder Lamm und Milchprodukte, Huhn und Ente,...

      Komorbidität – wenn mehrere Faktoren zusammenspielen

      Oft kommt die Allergie nicht allein und wird von einer weiteren Krankheit oder Beschwerde begleitet.

      Da die meisten Allergiker z.B. durch Kratzen oder Lecken schlechte Hautbarrieren haben, können schnell Sekundärinfektionen entstehen. Pfotenlecken kann Hefepilze zwischen den Fußballen begünstigen und das kann dann, je nach Schmerzniveau zur Fehlbelastung führen.

      Juckreizschwelle – wenns dem Hund zu viel wird

      Unter der Juckreizschwelle versteht man die individuelle Schwelle eines Hundes, ab wann das Jucken zu schlimm wird, sodass gekratzt oder geleckt wird. Die Schwelle wird allerdings nicht nur durch eine Allergie gereizt, sondern kann auch bei Stress, hohe Temperaturen oder durch Hormone beeinflusst werden. 

      Unterschied zur Unverträglichkeit

      Bei einer Unverträglichkeit beschränken sich die Symptome auf den Magen- Darm- Bereich. Hierbei kann der Körper die Bestandteile nicht richtig verdauen oder verarbeiten. Die Zubereitungsart kann hier eine entscheidende Rolle spielen.

      Symptome können u.a. sein:

      • Durchfall
      • Erbrechen
      • Magenschmerzen
      • Blähungen

      Was tun bei Verdacht auf eine Allergie?

      Wenn du vermutest, dass dein Hund betroffen sein könnte, helfen dir diese Schritte:

      1. Symptome beobachten (Allergietagebuch führen)
      Wann treten sie auf? Gibt es Muster? Umweltfaktoren beachten.

      2. Tierärztliche Abklärung
      Um andere Ursachen auszuschließen.

      3. bei Verdacht auf Futtermittelallergie → begleitete Eliminationsdiät
      Hier wird wie oben beschrieben gezielt getestet, was dein Hund verträgt.

      4. Geduld haben und dran bleiben
      Die Ursachenfindung braucht Zeit – schnelle Lösungen gibt es selten.
      Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, wie zermürbend, frustrierend und anstrengend so eine Eliminationsdiät sein kann.Wenn du dir unsicher bist oder Unterstützung bei der Fütterung und Umsetzung benötigst, begleite ich dich gern auf diesem Weg. Allergien können komplex sein – aber mit dem richtigen Wissen und einem strukturierten Vorgehen lassen sie sich gut in den Griff bekommen.

        Egal ob durch einen gezielten Umstellungsplan, ein Diättagebuch, regelmäßigen Terminen zur Besprechung des aktuellen Standes oder für eine Erstellung eines neues Futterplans.

        Jeder Hund ist individuell. Und genauso individuell sollte auch der Weg zur Lösung sein.

        Schreib mir gern, wenn ich dich unterstützen kann!

        Hier findest du meine Leistungspakete und Preise

        Zurück

        ©Urheberrecht. Alle Rechte vorbehalten.

        Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

        Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.